Die Frage aller Fragen: E-Book oder Printversion?

E-Book oder PrintDer erste Schritt ist geschafft: Das Buch ist fertig, Freunde und Verwandte haben es gelesen und sind hellauf begeistert. Nun soll es noch mehr Lesern zugänglich gemacht werden. Die Möglichkeiten der Veröffentlichung sind vielfältig. Doch unweigerlich drängt sich die Frage auf: Soll das Buch in gedruckter Form oder nur als E-Book erscheinen? Die Antwort darauf ist nicht pauschal zu beantworten. Die folgenden Überlegungen können eine Hilfe sein:

Um was für ein Buch handelt es sich?

Die meisten „Indie-Autoren“ schreiben Romane – Liebesromane, Thriller, Krimis, Fantasy. Die Zielgruppe für diese Art von Literatur ist groß und vielfältig, ebenso ihre Lesegewohnheiten. Obwohl die Zahl der E-Book-Verkäufe zunimmt, macht der Buchverkauf im Printbereich immer noch den größeren Anteil aus. Es ergibt sich daher die Frage, wo die potenziellen Leser abgeholt werden können: eher in einer Buchhandlung oder in den großen online-Shops für E-Books. Doch Achtung: Nicht jede Buchhandlung nimmt den Roman eines unbekannten Selfpublishers gleich freudestrahlend in das Sortiment auf. Auch der Buchhändler muss wirtschaftlich denken, der Einkauf des Titels oder die Übernahme von Kommissionsware muss sich rechnen. Wer also zweifelt, dass sein gedrucktes Buch schnell in den Handel gelangt oder durch eigene Werbung und Vertriebsaktivitäten in absehbarer Zeit verkauft werden kann, sollte über die (zumeist kostenlose) Variante E-Book oder das weniger risikoreiche „Books on Demand“-Verfahren nachdenken. Wenn das E-Book erst einmal erschienen ist und sich gut verkauft, kann die Printversion immer noch nachträglich produziert werden.

Etwas anders sieht es bei Sachbüchern oder Büchern mit regionalem Bezug aus. Sachbücher richten sich zumeist an eine ganz konkrete, überschaubare Zielgruppe (mit Ausnahme vielleicht des Diät-Ratgebers oder den Tipps zum Joggen). Es muss daher die Frage beantwortet werden, wo sich diese Zielgruppe befindet, wie sie liest und wie sie das Buch nutzen wird. Ein Kochbuch für Kinder eignet sich vermutlich nicht für den reinen E-Book-Bereich, denn es enthält Bilder und muss eine Küchenschlacht überstehen – den teuren E-Reader werden die Eltern sicher nicht zum Kochen bereitlegen. Ein Ratgeber mit Erziehungstricks für Hunde dagegen eignet sich schon eher als E-Book, denn der Hundebesitzer wird sich mit dem Werk auf’s Sofa setzen und in Ruhe darin lesen. Aber: Das Buch könnte auch über Online-Shops für Tierbedarf verkauft oder in der örtlichen Hundeschule angeboten werden. Die Printvariante ist in diesem Fall auch gut verkäuflich. Das gleich gilt für Bücher mit regionalem Bezug, die von der örtlichen Buchhandlung oder dem Fremdenverkehrsverein ausgelegt werden. Vor der Drucklegung kann der Autor durch die Vorstellung des Buchprojektes an diesen potenziellen Verkaufsstellen wichtige Hinweise für eine realistische Einschätzung der Auflage und des Verkaufserfolgs erhalten. Darüber hinaus sind Lesungen und Veranstaltungen eine gute Gelegenheit, das Buch zu vermarkten. Auch hier bietet sich natürlich die Printversion an.

Bilderbücher und Bildbände eignen sich auf alle Fälle für den Printbereich, wobei viele Anbieter von E-Book-Lösungen die Einbindung von Bildern ermöglichen. Doch das Layout kann sich durch die verschiedenen Formate der E-Reader schnell verändern, Bilder können verrutschen, Texte an der falschen Stelle stehen. Eine umfassende Einarbeitung in die Möglichkeiten der E-Book-Formate ist daher unbedingt angeraten.

Ähnliches gilt für Lyrik. Gedichte bieten ein anderes Leseerlebnis als ein spannender Thriller. Sie brauchen Zeit und entfalten ihre Wirkung durch die Achtsamkeit des Lesers. Daher ist ein gedruckter Lyrikband allemal ansprechender als ein Lyrik-E-Book, denn in diesem Falle gilt das Gleiche wie im guten Restaurant: Das Auge isst mit.

Wie viel Geld möchte ich investieren, wie risikobereit bin ich?

Als Faustregel kann gelten: E-Book = weniger Risiko, weniger kostenintensiv. Print-Buch = zunächst etwas teurer durch Vorinvestition für Druckkosten, eventuelle Lagerkosten und Verluste durch schleppenden Verkauf. Trotzdem haben beide Varianten ihre Vor- und Nachteile.

Wer sich nicht scheut, neben den Kosten für ein gutes Lektorat, den Satz (also das innere Layout des Buches) und ein ansprechendes Buchcover noch einmal Geld für die Produktion eines gedruckten Buches in die Hand zu nehmen, sollte sich bei den Anbietern im Printbereich umschauen. Doch Achtung, hier tummeln sich die berühmt berüchtigten Zuschussverlage, die zunächst einmal viel Geld verlangen, damit das Buch überhaupt gedruckt wird. Kleinere Verlage bieten die Festabnahme einer Druckauflage oder die Vermittlung einer Druckerei an und nehmen das Buch in das Programm mit auf. Es erscheint in der Verlagsvorschau, die an Buchhandlungen und Presse verschickt wird, es erhält eine ISBN und ist im Buchhandel unter dem Label eines Verlages bestellbar. Damit wird ein Zwischenschritt ermöglicht, der zwar ein gewisses Risiko beim Autor belässt (die Festabnahme der Bücher), aber auch die Vorteile eines durch den Verlag betreuten Buches bietet.

Wer Gestaltung, Werbung und Veranstaltungen sowieso selbst in die Hand nehmen will und eine konkrete Zielgruppe sowie erfolgversprechende Absatzmöglichkeiten im Auge hat, kann sich auch Angebote von verschiedenen Druckereien einholen und die Bücher für sich selbst produzieren lassen. In so eine Anfrage gehören folgende Vorgaben: Titel, gewünschte Auflage, Seitenzahl (muss meistens durch 8 teilbar sein), Format (am besten das Lieblingsbuch aus dem eigenen Regal ausmessen oder Angebote auf der Homepage der Druckerei berücksichtigen), Papierqualität, Einband (gebunden, Softcover, Leinen), Farbigkeit (1-farbig schwarz/weiß oder 4-farbig bunt). Je nach Auflage und Ausstattung ändern sich die Stückpreise. Neben großen Offset-Druckereien lohnt sich die Anfrage für den Digitaldruck, denn die Qualität der Bücher ist hier in den letzten Jahren deutlich besser geworden und die Auflagen im Digitaldruck können niedriger ausfallen und trotzdem bezahlbar sein. Zu überlegen ist, ob das Buch eine ISBN erhalten soll, damit es im „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ gelistet wird und somit von jedem Buchhändler bestellbar ist. Die ISBN kann unkompliziert bei der „Agentur für Buchmarktstandards“ bestellt werden. Manche Autoren lassen ihre Bücher auch (kostenpflichtig) im Barsortiment, dem Zulieferer der Buchhandlungen, listen.

Der Zwischenschritt zum E-Book wäre nun der „Books on Demand“-Bereich. Hier kann das Buch in den Shop des Anbieters hochgeladen werden, Druckkosten entstehen erst bei einer Bestellung durch Kunden, denn dann wird das Buch im Digitaldruck produziert und an den Besteller ausgeliefert. Manche Dienstleister wie epubli bieten auch beide Varianten an: Den Verkauf als E-Book und den Vertrieb des Print-Buches im „Books on Demand“-Verfahren. Der Leser hat also die freie Wahl. Ein genauer Blick in die Konditionen der Anbieter lohnt sich, denn manche Dienstleistungen rund um die Buchveröffentlichung sind bei den einen kostenlos, bei anderen nicht. Auch die Prozentsätze der Autorenhonorare unterscheiden sich.

Wer sich nun scheut, gleich zu Beginn viel Geld in ein Buchprojekt zu investieren, sollte sich überlegen, ob eine reine E-Book-Veröffentlichung der richtige Weg ist. Es ist bislang die vergleichsweise unkomplizierteste und günstigste Variante. Neben den großen Anbietern wie amazon, neobooks, epubli, bookrix, meinbestseller u.v.m. gibt es einige, die sich auf bestimmte Genres spezialisiert haben. Autoren-Foren und bestimmte Blogs wie zum Beispiel die „Self-Publisher-Bibel“ können eine gute Informationsquelle für die Auswahl der Plattform sein, denn hier erzählen Autoren von ihren konkreten Erfahrungen bei der Veröffentlichung ihrer Bücher. Gerade bei der Veröffentlichung als E-Book ist eine gute Vernetzung in den Social Media wichtig, um das Interesse der Leser zu wecken. Eine eigene Homepage, ein Facebook-Profil, Rezensionen in den Shops und Buchempfehlungen in Blogs und auf Seiten wie Lovelybooks oder Goodreads sind wichtige Faktoren für den Verkaufserfolg.

                                                                                   © Christiane Saathoff