Kino im Kopf: Show, don’t tell

Jeder wird irgendwann über die magischen Worte „Show, don’t tell“ gestolpert sein, wenn er sich intensiv mit dem Handwerkszeug des Schriftstellers beschäftigt hat (und wer bereits mit Lektorinnen und Lektoren zusammengearbeitet hat, mit Sicherheit auch). Doch was hat es mit dieser merkwürdigen Floskel auf sich?

Grob zusammengefasst geht es darum, allein durch Worte so starke und treffende Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, dass die erzählte Handlung wie ein Kinofilm vor dem geistigen Auge abläuft. Manch einem geht das leicht von der Hand, andere verfolgt das verflixte „Beschreib es nicht, zeige es“ noch im Schlaf.

Dabei ist die Umsetzung einer atmosphärischen, emotionalen Erzählweise an sich denkbar einfach: Lassen Sie Ihre Figuren riechen, hören, fühlen, schmecken und lassen Sie Ihre Figuren diese Sinneserfahrungen am besten gleich selbst erzählen. Finden Sie Vergleiche (vielleicht auch schräge) für das, was Ihren Figuren widerfährt und was sie wahrnehmen. Beschreiben Sie beispielsweise den Geruch von frischer Kartoffelsuppe oder das Geräusch ächzender Bäume im Wind mit ungewöhnlichen Worten; erzählen Sie, dass Ihre Protagonistin sich an etwas erinnert, ohne das Wort erinnern zu benutzen; beschreiben Sie einen ängstlichen Menschen, ohne dass das Wort „ängstlich“ im Text vorkommt. Erst dann wird die Geschichte lebendig und bunt wie ein Kinofilm.

Ein Beispiel gefällig?

„Klara saß auf der Bank im Park. Sie aß ein Butterbrot und hörte den Vögeln zu, dabei dachte sie an ihre Großmutter.“

Mal Hand aufs Herz: Wie viel Kopfkino ist da gerade entstanden? Die beiden Sätze erzählen (tell) einen Sachverhalt, nicht mehr und nicht weniger. Würde die Situation gezeigt (show), könnte die Szene zum Beispiel so beginnen:

„Klara blinzelte in die Sonne. Endlich hatten es die ersten warmen Strahlen auch nach Norddeutschland geschafft und zauberten ein zartgrünes Farbspiel auf die Baumwipfel. Mit lautem „Ziwitt-ziiiep-zipzipzipzip“ verschwand der Schatten eines Vogels in der hohen Buche jenseits der Wiese. Ob er sich über ein Krümchen von ihrem Brot freuen würde? Klara holte das knisternde Päckchen aus ihrer Umhängetasche und wickelte die Brotscheiben aus. Reflexartig hob sie das zusammengeklappte Brot an die Nase, schnupperte daran und lehnte sich mit einem tiefen Seufzer auf der Parkbank zurück. Genau so hatten die Butterbrote ihrer Kindheit gerochen, als sie noch mit ihrer Großmutter zu langen Spaziergängen in die Natur aufgebrochen war.“

Haben Sie Klara auf der Parkbank gesehen? Und haben Sie jetzt vielleicht sogar den Geruch von frischem Brot mit guter Landbutter in der Nase? Natürlich sollte man sich nicht in Details verlieren, es geht nicht darum, in der Schilderung der Natur Adalbert Stifter Konkurrenz zu machen. Beschreiben Sie eine Szene so, dass ein Maler ein Bild davon malen könnte – erzählen Sie nicht zu viel und nicht zu wenig und regen Sie mit Ihren Worten die Fantasie der Leser an.

So wie in diesem Beispiel die Umgebung der Protagonistin plastischer wurde, kann man natürlich auch Emotionen, Geisteshaltungen und vieles mehr im Text erlebbar machen. Denken Sie einmal an jemanden, der sich erschreckt, und schreiben Sie nicht: „Er erschrak furchtbar“. Überlegen Sie stattdessen, wie es sich anfühlt, wenn Sie einen dunklen Hausflur betreten und plötzlich Nachbars Katze zwischen Ihren Beinen hindurch nach draußen huscht. Versetzen Sie sich in Ihre Romanfiguren hinein und geben Sie wieder, was diese erleben.

Ein wunderbarer Ratgeber zum Thema

Noch viel mehr Beispiele für lebendiges Erzählen sind übrigens in dem handlichen Büchlein „Show, don’t tell: Schreiben fürs Kopfkino“ von Simone Harland nachzulesen, das sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt und das ich allen Autorinnen und Autoren wärmstens empfehlen möchte.

Die erfahrene Autorin (und Lektorin) mit einem wunderbaren Gespür für das Wesentliche führt darin auf knapp 55 Seiten die verschiedenen Spielarten des „Show, don’t tell“ vor: Wie beschreibt man eine Person, die müde ist? Wie kann eine Landschaftsbeschreibung so spannend sein, dass die Leser die Umgebung der Erzählung nicht nur kennen, sondern sich in sie hineinversetzt fühlen? Wie erzeuge ich Spannung, die unter die Haut geht? Und wie kann ich innerhalb eines Dialogs mit ganz einfachen Mitteln die handelnden Personen charakterisieren – und zwar ohne all die „sagte sie empört/entgegnete er wütend/fragte sie ratlos“ usw.?

Am Ende eines jeden Kapitels gibt es Anregungen für Schreibübungen, die so richtig Lust aufs Fabulieren machen, denn die Autorin schildert das Handwerkszeug des „Show, don’t tell“ so klar und verständlich, dass man die Tipps einfach sofort umsetzen MUSS. Wen würde es nicht in der Feder jucken, wenn er eine Schreibaufgabe wie diese bekommt: „Zeigen Sie, dass eine Person geizig ist, ohne dies ausdrücklich zu erwähnen. Beschreiben Sie eine ihrer Handlungen, die beweist, dass sie geizig ist.“

Bei all der Begeisterung für das „Zeigen“, darf allerdings nicht vergessen werden, dass auch das „Erzählen“ seine Berechtigung hat. Manchmal ist Verknappung notwendig, damit die nächste Szene wieder in aller Ausführlichkeit „gezeigt“ werden kann. Hier die Balance zu finden, ist nicht immer leicht, aber auch dafür hält Simone Harland hervorragende Tipps bereit. Und das Beste: Der kleine Ratgeber kostet weniger als die Hälfte einer Kinokarte, regt aber zu Kopfkino für viele, viele Stunden an!

© Christiane Saathoff

Pressearbeit für mein Buch

Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal mit Ihrer zuständigen Redaktion gesprochen? Noch gar nicht? Dann ist jetzt vielleicht der richtige Moment, um sich ein paar Gedanken über Pressearbeit zu machen.

Thematiken rund um Ihr Buch

Journalist_innen können wichtige Multiplikatoren für Ihr Buch sein. Der Aufhänger für einen Bericht in den Printmedien ist aber erstaunlicherweise manchmal ein ganz anderer, als die reine Buchvorstellung oder Rezension. Denken Sie einmal darüber nach, über welche Themen ein Zeitungsartikel an Ihr Werk anknüpfen könnte, denn „Ich habe hier ein tolles Buch geschrieben, stellen Sie es doch mal vor“ reicht häufig nicht.

Angenommen, Sie haben einen Roman geschrieben, in dem ein Mann während seiner großen Lebenskrise sein altes Leben hinter sich lässt und mit dem Fahrrad von Hamburg nach Sizilien fährt. Darüber kann trefflich eine Rezension geschrieben werden, es könnte aber auch die Fahrradreise an sich das für die Redaktion viel interessantere Thema sein. Damit erweitert sich der Kreis der Medien, in denen ein Bericht über das Buch erscheinen könnte, enorm (Fahrradmagazine, ADFC usw.).

Aber wie sollte man die viel beschäftigten Menschen in den Redaktionen am besten ansprechen?

Checkliste für den Rezensionsexemplarversand

  • Finden Sie eine Ansprechpartnerin/einen Ansprechpartner. Die zuständigen Redakteurinnen und Redakteure stehen im Impressum oder auf der Homepage. Ein Anruf im Sekretariat kann häufig noch sinnvoller sein, denn manche Namen stehen nicht im Internet. Vielleicht weiß man dort auch von freien Mitarbeiter_innen, die sich Ihres Themas annehmen könnten.
  • Verfassen Sie ein persönliches Anschreiben (zu Händen Fr. xy, Sehr geehrte Frau …).
  • Vermeiden Sie es, werblich zu sein. Streichen Sie Adjektive und Adverbien. Ihr Gegenüber soll das Buch nicht kaufen, sondern lesen und darüber berichten. Packen Sie den Redakteur oder die Redakteurin durch etwas Persönliches. Warum haben Sie das Buch geschrieben, an welches (aktuelle) Thema kann es anknüpfen?
  • Wenn Sie es nicht schon mitgeschickt haben, weisen Sie auf ein kostenloses Rezensionsexemplar oder Freiexemplare für Gewinnspiele hin (Lokalzeitungen/Wochenblätter könnten da durchaus Interesse haben).
  • Geben Sie gut sichtbar Ihre Kontaktdaten an.
  • Legen Sie einen „Waschzettel“ bei. Er beschreibt das Buch und enthält unbedingt folgende Informationen: Buchcover, bibliografische Angaben (Titel, Seitenzahl, Ausstattung Softcover/Hardcover, Preis, ISBN, Erscheinungstermin, ggf. Sperrfrist für eine Rezension), Beschreibung des Inhalts, Information über den Autor/die Autorin, Kontaktdaten.
    Wichtig: Sagen Sie das Wichtigste zuerst! Sollte die Redaktion Ihren Text übernehmen wollen, muss er leicht zu kürzen sein, das Ende muss wegfallen dürfen, ohne dass wichtige Informationen fehlen.
  • Prüfen Sie bei monatlich erscheinenden Zeitschriften die Mediadaten (zu finden auf der jeweiligen Homepage), dort werden Schwerpunktthemen der Hefte für die folgenden Monate aufgelistet. Vielleicht gibt es darüber einen guten Aufhänger.
  • Informieren Sie sich über das Zeitschriftenangebot im Bahnhofsbuchhandel, hier finden sich v. a. im Hobbybereich oft viele neue Titel. Denken Sie bei der Auswahl über den Tellerrand, suchen Sie nach Anknüpfungspunkten in jeder Richtung.
  • Schauen Sie sich kostenlose Presseportale wie open PR, idw (v. a. für Wissenschaftliches), PR Gateway oder Connektar an. Die Portale werden in die Google-Suche einbezogen, einige Journalisten haben Themen abonniert. Der direkte Weg über die zuständige Redaktion ist vermutlich sinnvoller, ein Eintrag schadet aber nicht.
  • Wenn Sie Ihre Information per E-Mail versenden wollen, nutzen Sie für Tageszeitungen die Zeit zwischen 9 und 10 Uhr zwischen Dienstag und Donnerstag, in dieser Zeit haben die meisten Redakteurinnen und Redakteure eher eine ruhige Minute, um ihr Postfach zu prüfen.

Auf diese Weise haben Sie eine gute Grundlage für die Pressearbeit geschaffen. Nun lassen Sie Ihre Texte am besten von jemandem gegenlesen. Wenn nämlich der Text, mit dem Sie auf Ihr Buch aufmerksam machen wollen, holpert und voller Fehler ist, ist die Chance gering, dass der potenzielle Rezensent 220 Seiten Ihres Romans lesen möchte … Fragen Sie am besten Autorenkolleg_innen, den Freundeskreis oder die Lektorin Ihres Vertrauens. Denn Ihr Schreiben an die Presse ist nichts anderes als eine Bewerbung um die Zeit und das Interesse eines anderen Menschen.

Die Alternative: PR-Agenturen

Sollte Ihnen die Pressearbeit so gar nicht liegen, gibt es auch kundige PR-Berater_innen, die sich auf Buch-PR spezialisiert haben. Achten Sie hier aber darauf, dass die Agentur nicht wahllos Pressemitteilungen verschickt, sondern sich individuell um Ihr Werk kümmert. Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Kontakte zählt!
Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen.

© Christiane Saathoff

Über die Wertschätzung der gesprochenen Sprache

Wasn webMittags klingelt es an der Tür. Ich weiß, es kann nur der Paketbote sein, deshalb sprinte ich los, um ein lang ersehntes Paket für die Nachbarn entgegenzunehmen. Über die Gegensprechanlage antwortet jemand auf mein freundliches: „Ja, bitte?“ mit einem hingenuschelten: „Debenne“. Ich bin irritiert, frage: „Bitte was?“, da höre ich schon den Türsummer, denn eine andere Nachbarin hat bereits mutig die Tür geöffnet. Einfach so, komme, wer da wolle, und sei es auch „Debenne“.

Das bringt mich einmal wieder dazu, darüber nachzudenken, welche Bedeutung wir der gesprochenen Sprache beimessen. Das beginnt bei einem „Debenne“, geht über das achtlos hingeworfene „Was‘n?“ bis hin zum jugendsprachlichen „Geh ich Schule“ (gerade erst wieder in der U-Bahn gehört).

Als Lektorin beschäftige ich mich täglich mit dem geschriebenen Wort, deshalb habe ich ein feines Gespür für alles Schriftliche entwickelt. Doch in letzter Zeit meldet sich immer öfter mein „innerer Duden“ zu Wort, wenn ich mich unterhalte. Es muss ja nicht gleich die absolut korrekte Verwendung des Konjunktivs sein (wenngleich ich es liebe, mein Gegenüber mit dem Konjunktiv I zu verunsichern), aber vielleicht sollten wir alle ein wenig mehr darauf achten, was wir sagen und wie wir es sagen.

Unter dem Stichwort „umgangssprachlich“ verzeichnen die Wörterbücher viele Wendungen, die ich einem Autor sofort angestrichen hätte. Da wäre die Verwechslung von Genitiv und Dativ nur ein Beispiel von vielen. Umgangssprache ist eben die, die wir im Umgang mit anderen verwenden, sie ist locker, unbefangen, fließt einfach so und das ist an sich auch nicht verkehrt, denn wir wollen uns bei der Plauderei im Café einfach nur entspannen. Doch hört man einmal genau hin, schleichen sich die Fehler gerade durch den täglichen Sprachgebrauch in das Schriftliche ein. Was wir immer wieder hören, kann ja nicht falsch sein.

Ich glaube, wir sollten deshalb öfter mit gutem Beispiel vorangehen und achtsamer mit unserer Sprache umgehen. Wie viel einfacher hätten es manche Schüler, die Bücher öde finden, wenn sie von ihrer Umwelt den richtigen Sprachgebrauch ganz nebenbei erlernten? Und würde nicht manche Rechtschreibschwäche gemildert, wenn wir einfach deutlicher sprächen? Als Mutter eines Kleinkinds bemühe ich mich schon lange um deutliche und grammatisch korrekte Ausdrucksweise (ja, das ist auch irgendwie Berufskrankheit) in der Hoffnung, es möge auf Sprachgefühl und Ausdrucksweise abfärben.

Menschen, die gut und deutlich sprechen, werden gern gehört. Und es wird ihnen sicher die ein oder andere Tür eher offen stehen – ein leiser Wink an Herrn „Debenne“.

Übrigens: Wen die Auflösung des Rätsels um den Paketboten interessiert – es war ein Fahrer von DPD.

© Christiane Saathoff

Titelschutz: Hilfe, mein Buch gibt es zweimal!

Lämmchen webSie haben ein Buch veröffentlicht und prüfen, ob es im Internet-Shop zu finden ist. Und Sie erhalten zwei Treffer. Moment, kann das wirklich sein? Sollte Ihnen das tatsächlich passieren, heißt es sofort die Notbremse ziehen und ganz genau hinschauen, denn es droht die Falle „Titelschutz vergessen“.

Der Titel als Warenkennzeichen

Der Titelschutz erfasst nur den Schutz von Werken geistigen Ursprungs. Der Titel eines Buches ist ein Warenkennzeichen und durch die Paragrafen 5 und 15 des Markengesetzes als „Werktitel“ geschützt. Ein Werktitel ist die Bezeichnungen von Druckschriften, Film-, Ton- und Bühnenwerken sowie sonstigen vergleichbaren Werken. Im Unterschied zum Markenschutz bezieht sich der Titelschutz nur auf den Inhalt des Werkes, nicht auf seine Herkunft (Firma, Verlag, Autor). Das bedeutet in der Praxis: Der Buchtitel „Der Name der Rose“ ist über den Titelschutz als Werktitel geschützt, kein anderes Werk (Buch, Film, Bühnenstück) darf diesen Titel ebenfalls führen, da Verwechslungsgefahr mit anderen Werken besteht. Andere Waren oder Dienstleistungen könnten aber rein theoretisch diesen Namen als Markenbezeichnung tragen, zum Beispiel könnte ein Parfüm „Der Name der Rose“ heißen. Umgekehrt dürfen eingetragene Marken wie zum Beispiel „Coca Cola“ nicht als Werktitel verwendet werden.
Der von Ihnen gewählte Buchtitel ist also als Werktitel, nicht als Marke geschützt. Das sollte Ihnen aber keine Sorgen bereiten, denn der Eintrag eines Buchtitels als Marke ist sehr kompliziert und nicht unbedingt erforderlich (es sei denn, Sie haben bereits eine komplette Markenkampagne im Kopf, die alle Medien sowie Merchandisingartikel und eine Ladenkette umfasst …).

Wie kann ich meinen Buchtitel schützen?

Um den eigenen Buchtitel zu schützen, müssen zwei Anforderungen erfüllt sein:

  • Er muss eine Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft besitzen.
  • Er muss öffentlich genutzt werden.

Dabei ist der erste Punkt schon im Vorfeld besonders wichtig: die eigene Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft, damit die Bücher nicht verwechselt werden. Das ist bei sehr kurzen Titeln meist nur über einen Untertitel zu erreichen, weshalb sich Bezeichnungen des öffentlichen Interesses (Norderney, Van Gogh usw.) oder Ein-Wort-Titel kaum schützen lassen. Es könnte also durchaus zwei Bücher mit dem Titel „Das Lämmchen“ geben – das eine bezeichnet ein Fachbuch über Aufzucht, Pflege und Haltung von kleinen Schafen, das andere ein Kinderbuch über die Abenteuer des Lämmchens Fiete. In diesem Fall macht der Untertitel den Unterschied: „Das Lämmchen – ein Handbuch für Schäfer und verwandte Berufe“ und „Das Lämmchen – Fietes Abenteuer am Deich“. Übrigens gilt der Schutz eines Buchtitels auch für die Verwendung als Titel für Bühnen- und Filmwerke. Fietes Abenteuer dürfen daher unter dem gleichen Titel als Theaterstück aufgeführt oder verfilmt werden. Im Umkehrschluss sollte man sein Buch nicht nach einem Film oder Theaterstück benennen. Der Buchtitel „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ beispielsweise muss schleunigst geändert werden, denn hier besteht sogar Markenschutz …

Wo erfahre ich, welche Titel bereits geschützt sind?

Bevor man sich für einen Buchtitel entscheidet, sollte man folgende Datenbanken durchsucht haben:

Wer außerdem noch auf Amazon und Google nach dem gewünschten Titel sucht, sollte alles getan haben, denn nicht jedes veröffentlichte Werk ist automatisch im VLB gelistet, genießt aber trotzdem Titelschutz.

Wie schütze ich meinen Titel?

Wer seinen Buchtitel noch vor der Veröffentlichung schützen möchte, kann einen Eintrag in einem der o. g. Titelschutzanzeiger vornehmen. In welchem Medium Sie die Anzeige schalten, ist rein rechtlich egal. Der angegebene Titel ist dann sechs Monate geschützt und darf für kein anderes Werk genutzt werden, das in dieser Zeit erscheint. Über ein Online-Formular (am günstigsten beim BuchMarkt) können Sie problemlos und schnell den Titelschutz eintragen, die Kosten liegen bei 22,50 Euro zzgl. MwSt. Anderenfalls gilt das Datum der Veröffentlichung für den Eintritt des Titelschutzes.

Wann endet der Titelschutz?

Der Schutz endet, wenn der Titel nicht mehr genutzt wird. Das heißt aber nicht, dass der Titel eines nicht mehr lieferbaren Buches einfach so verwendet werden darf. Das Buch ist über Antiquariate noch im Umlauf oder es könnte von einem Verlag wiederentdeckt und neu aufgelegt werden. Dabei führen geringe inhaltliche Änderungen noch nicht zum Erlöschen des Titelschutzes. Der Inhalt des Werkes muss so sehr verändert werden, dass ein neues Werk entsteht, erst dann kann es zum Verlust des Titelschutzes kommen. Nach Auffassung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ist der Titel eines Buches, das fünf Jahre lang vergriffen war, nicht mehr geschützt. In diesem Falle ist es eine Ermessensfrage (auch für die Gerichte), ob ein bereits genutzter Titel erneut verwendet werden darf.

Und wenn die Abmahnung eines Verlages bereits im Briefkasten liegt?

Ruhe bewahren, aber sofort reagieren, dabei freundlich und sachlich bleiben. Durch einen Anruf in der Rechtsabteilung des Verlages oder im Lektorat kann man erste Fragen klären. Ist keine Einigung zu erreichen (zum Beispiel durch die Verwendung eines Untertitels), am besten eine auf Medienrecht spezialisierte Anwaltskanzlei zu Rate ziehen.

Der Titelschutz ist kein Hexenwerk, aber auch nicht ohne Fallstricke. Wer unsicher ist, fragt die Lektorin seines Vertrauens und einen Fachanwalt, bevor eine Abmahnung oder Unterlassungserklärung ins Haus flattert. Ausführlichere Informationen zum Titelschutz bietet ein Merkblatt des Börsenvereins, das über die Seite des Titelschutzanzeigers des Börsenblatts abgerufen werden kann.

© Christiane Saathoff

 

Der erste Eindruck zählt: Die Gestaltung von Titel und Buchcover

Buchcover - individuell und einzigartigDie Gestaltung eines Buchcovers, die Auswahl von Titel und Bild, sollte wohlüberlegt sein, denn hier gilt wie auch sonst so häufig im Leben: Der erste Eindruck zählt. Als Selfpublisher_in sollten Sie sich daher folgende Fragen stellen, bevor Sie das Buch veröffentlichen:

Passt der Titel zum Inhalt des Buches?

Vor ein paar Monaten erst hatte ich den Fall, dass ein Autor einen sehr langen und „blumigen“ Titel für sein Buch wählte, der leider überhaupt nicht auf die Kernaussage bzw. das Genre des Romans einging. Ein fataler Fehler, denn wie sollen die Käufer bei einem Titel wie beispielsweise „Rosen zum Abschied“ darauf kommen, dass es sich dabei um einen blutrünstigen Krimi und keine romantische Liebestragödie handelt? Auch wenn der kaltblütige Serienmörder seine Opfer in „Rosen zum Abschied“ bettet, wäre ein ganz anderer, eindeutiger Krimi-Titel viel sinnvoller, zum Beispiel „Der Rosen-Mörder“ oder „Blutrot“. Ihre Leserinnen und Leser könnten enttäuscht werden, das macht sich ganz schlecht für das Image als Autor_in und fördert keine guten Rezensionen. Worte wecken Assoziationen. Wählen Sie die passenden!

Ist der Titel kurz und prägnant?

Stellen Sie sich vor, ein Bekannter empfiehlt Ihnen das Buch „Die Frau, die aus dem Zug stieg und hinter den Bergen verschwand“. Unbedingt lesen, sagt er. Superspannend. Abends setzen Sie sich hin und denken nach. Wie war doch gleich der Titel? Eine Frau geht in den Berg? Nein. Ein Zug fuhr in die Alpen? Auch nicht. Die Internetrecherche brechen Sie entnervt ab. Zu viele Treffer. Ein Besuch in der nahen Buchhandlung stellt die Verkäuferin vor eine schwer zu lösende Aufgabe, denn die Stichworte „Frau“ und „Berg“ ergeben eine Menge Titel. „Zug“ und „Alpen“ erst recht. Reiseführer und Ratgeber, Romane und Gedichtbände. Und wenn das Buch nicht gerade ein John Grisham ist, wird die kundige Buchhändlerin auch bei bester Sortimentskenntnis nur schwer auf die Lösung kommen. Deshalb gilt (noch ein Sprichwort, weil’s so schön ist): In der Kürze liegt die Würze. Kurz, knapp, klar soll der Titel sein. Und nicht vergessen: Titelschutz beachten!

Und was ist mit dem Bild für das Buchcover?

Es sollte zum Titel und zum Inhalt des Buches passen. Es sollte möglichst einmalig sein, den Leser neugierig machen, ein wenig über den Inhalt erzählen, aber nicht zu viel. Es kann den Buchtitel ergänzen, unterstreichen oder eine bestimmte Stimmung erzeugen, die den Inhalt des Buches widerspiegelt. Rosen und Wölkchen für den Liebesroman, Blut und Schusswaffen für den Krimi – na, Ihnen fällt bestimmt etwas Originelleres ein. Es bietet sich auch an, ähnliche Buchtitel zu recherchieren und sich von den Buchcovern inspirieren zu lassen. Nicht umsonst ähneln sich die Buchcover erfolgreicher Romane. Vergleichen Sie einmal die Titel „SMS für dich“ von Sofie Cramer und „P. S. Ich liebe Dich“ von Cecelia Ahern. Fällt Ihnen etwas auf?

Auf der anderen Seite sollte diese Ähnlichkeit, das Aufspringen auf einen „erfolgreichen Zug“, nicht überstrapaziert werden. Es gibt günstige Angebote von Grafikerinnen und Grafikern, die sogenannte Premade-Cover erstellen, das führt dann zu merkwürdigen Überschneidungen. Schauen Sie sich einmal die Cover dieser Bücher an: „Dublin Street“ von Samantha Young, „Liebe mich – noch heute Nacht“ von Kristi Gold und „Mitternachtsspuren“ von Linda Mignani.

Wer sich ein wenig inspirieren lassen möchte, kann im „Book Cover Archive“ stöbern und mit handwerklichem Geschick oder der Hilfe von guten Grafiker_innen ein schickes, ansprechendes Cover gestalten.

Machen Sie den Praxistest!

Ist das Buchcover stimmig, zeigen Sie es im Freundeskreis und unter (Autoren-)Kolleg_innen, fragen Sie Ihre Leserinnen und Leser, machen Sie eine Umfrage mit Buchverlosung, fragen Sie Ihre Lektorin oder, oder, oder … Unterziehen Sie es einem gründlichen Praxistest. Die Rückmeldungen werden Sie überraschen. Und wenn Sie sich zwischen zwei Coverversionen nicht entscheiden können, umso besser! Wer viel fragt, bekommt viel Antwort, aber sicher auch einen Schubs in die Richtung, die sich für Sie gut anfühlt.

Austauschbar sein kann jeder. Seien Sie individuell!

 © Christiane Saathoff

 

Die Frage aller Fragen: E-Book oder Printversion?

E-Book oder PrintDer erste Schritt ist geschafft: Das Buch ist fertig, Freunde und Verwandte haben es gelesen und sind hellauf begeistert. Nun soll es noch mehr Leserinnen und Lesern zugänglich gemacht werden. Die Möglichkeiten der Veröffentlichung sind vielfältig. Doch unweigerlich drängt sich die Frage auf: Soll das Buch in gedruckter Form oder nur als E-Book erscheinen? Die Antwort darauf ist nicht pauschal zu beantworten. Die folgenden Überlegungen können eine Hilfe sein:

Um was für ein Buch handelt es sich?

Die meisten „Indie-Autor_innen“ schreiben Romane – Liebesromane, Thriller, Krimis, Fantasy. Die Zielgruppe für diese Art von Literatur ist groß und vielfältig, ebenso ihre Lesegewohnheiten. Obwohl die Zahl der E-Book-Verkäufe zunimmt, macht der Buchverkauf im Printbereich immer noch den größeren Anteil aus. Es ergibt sich daher die Frage, wo die potenziellen Leser_innen abgeholt werden können: eher in einer Buchhandlung oder in den großen Online-Shops für E-Books. Doch Achtung: Nicht jede Buchhandlung nimmt den Roman eines unbekannten Selfpublishers gleich freudestrahlend in das Sortiment auf. Auch die Buchhändler müssen wirtschaftlich denken, der Einkauf des Titels oder die Übernahme von Kommissionsware muss sich rechnen. Wer also zweifelt, dass sein gedrucktes Buch schnell in den Handel gelangt oder durch eigene Werbung und Vertriebsaktivitäten in absehbarer Zeit verkauft werden kann, sollte über die (zumeist kostenlose) Variante E-Book oder das weniger risikoreiche „Books on Demand“-Verfahren nachdenken. Wenn das E-Book erst einmal erschienen ist und sich gut verkauft, kann die Printversion immer noch nachträglich produziert werden.

Etwas anders sieht es bei Sachbüchern oder Büchern mit regionalem Bezug aus. Sachbücher richten sich zumeist an eine ganz konkrete, überschaubare Zielgruppe (mit Ausnahme vielleicht des Diät-Ratgebers oder den Tipps zum Joggen). Es muss daher die Frage beantwortet werden, wo sich diese Zielgruppe befindet, wie sie liest und wie sie das Buch nutzen wird. Ein Kochbuch für Kinder eignet sich vermutlich nicht für den reinen E-Book-Bereich, denn es enthält Bilder und muss eine Küchenschlacht überstehen – den teuren E-Reader werden die Eltern sicher nicht zum Kochen bereitlegen. Ein Ratgeber mit Erziehungstricks für Hunde dagegen eignet sich schon eher als E-Book, denn Hundebesitzer werden sich mit dem Werk auf’s Sofa setzen und in Ruhe darin lesen. Aber: Das Buch könnte auch über Online-Shops für Tierbedarf verkauft oder in der örtlichen Hundeschule angeboten werden. Die Printvariante ist in diesem Fall dann ebenso gut verkäuflich. Das Gleiche gilt für Bücher mit regionalem Bezug, die von der örtlichen Buchhandlung oder dem Fremdenverkehrsverein ausgelegt werden. Vor der Drucklegung können Sie durch die Vorstellung des Buchprojektes an diesen potenziellen Verkaufsstellen wichtige Hinweise für eine realistische Einschätzung der Auflage und des Verkaufserfolgs erhalten. Darüber hinaus sind Lesungen und Veranstaltungen eine gute Gelegenheit, das Buch zu vermarkten. Auch hier bietet sich natürlich die Printversion an.

Bilderbücher und Bildbände eignen sich auf alle Fälle für den Printbereich, wobei viele Anbieter von E-Book-Lösungen die Einbindung von Bildern ermöglichen. Doch das Layout kann sich durch die verschiedenen Formate der E-Reader schnell verändern, Bilder können verrutschen, Texte an der falschen Stelle stehen. Eine umfassende Einarbeitung in die Möglichkeiten der E-Book-Formate ist daher unbedingt angeraten.

Ähnliches gilt für Lyrik. Gedichte bieten ein anderes Leseerlebnis als ein spannender Thriller. Sie brauchen Zeit und entfalten ihre Wirkung durch die Achtsamkeit beim Lesen. Daher ist ein gedruckter Lyrikband allemal ansprechender als ein Lyrik-E-Book, denn in diesem Falle gilt das Gleiche wie im guten Restaurant: Das Auge isst mit.

Wie viel Geld möchte ich investieren, wie risikobereit bin ich?

Als Faustregel kann gelten: E-Book = weniger Risiko, weniger kostenintensiv. Print-Buch = zunächst etwas teurer durch Vorinvestition für Druckkosten, eventuelle Lagerkosten und Verluste durch schleppenden Verkauf. Trotzdem haben beide Varianten ihre Vor- und Nachteile.

Wer sich nicht scheut, neben den Kosten für ein gutes Lektorat, den Satz (also das innere Layout des Buches) und ein ansprechendes Buchcover noch einmal Geld für die Produktion eines gedruckten Buches in die Hand zu nehmen, sollte sich bei den Anbietern im Printbereich umschauen. Doch Achtung, hier tummeln sich die berühmt berüchtigten Zuschussverlage, die zunächst einmal viel Geld verlangen, damit das Buch überhaupt gedruckt wird.

Wenn Gestaltung, Werbung und Veranstaltungen sowieso in Eigenregie geschehen sollen und eine konkrete Zielgruppe sowie erfolgversprechende Absatzmöglichkeiten vorhanden sind, kann man sich auch Angebote von verschiedenen Druckereien einholen und die Bücher für sich selbst produzieren lassen. In eine Anfrage an die Druckerei gehören folgende Vorgaben:

  • Titel,
  • gewünschte Auflage,
  • Seitenzahl (muss meistens durch 8 teilbar sein),
  • Format (am besten das Lieblingsbuch aus dem eigenen Regal ausmessen oder Angebote auf der Homepage der Druckerei berücksichtigen),
  • Papierqualität,
  • Einband (gebunden, Softcover, Leinen),
  • Farbigkeit des Innenteils (1-farbig schwarz/weiß oder 4-farbig bunt).

Je nach Auflage und Ausstattung ändern sich die Stückpreise. Neben großen Offset-Druckereien lohnt sich die Anfrage für den Digitaldruck, denn die Qualität der Bücher ist hier in den letzten Jahren deutlich besser geworden und die Auflagen im Digitaldruck können niedriger ausfallen und trotzdem bezahlbar sein. Zu überlegen ist, ob das Buch eine ISBN erhalten soll, damit es im „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ gelistet wird und somit von jedem Buchhändler bestellbar ist. Die ISBN kann unkompliziert bei der „Agentur für Buchmarktstandards“ bestellt werden. Manche Autor_innen lassen ihre Bücher auch (kostenpflichtig) im Barsortiment, dem Zulieferer der Buchhandlungen, listen.

Der Zwischenschritt zum E-Book wäre der „Books on Demand“-Bereich. Hier kann das Buch in den Shop des Anbieters hochgeladen werden, Druckkosten entstehen erst bei einer Bestellung durch Kunden, denn dann wird das Buch im Digitaldruck produziert und an die Besteller ausgeliefert. Manche Dienstleister wie BOD bieten auch beide Varianten an: Den Verkauf als E-Book und den Vertrieb des Print-Buches im „Books on Demand“-Verfahren. Die Leser_innen haben also die freie Wahl. Ein genauer Blick in die Konditionen der Anbieter lohnt sich, denn manche Dienstleistungen rund um die Buchveröffentlichung sind bei den einen kostenlos, bei anderen nicht. Auch die Prozentsätze der Autorenhonorare unterscheiden sich.

Wer sich nun scheut, gleich zu Beginn viel Geld in ein Buchprojekt zu investieren, sollte sich überlegen, ob eine reine E-Book-Veröffentlichung der richtige Weg ist. Es ist bislang die vergleichsweise unkomplizierteste und günstigste Variante. Neben den großen Anbietern wie amazon, neobooks, epubli, bookrix u.v.m. gibt es einige, die sich auf bestimmte Genres spezialisiert haben. Autoren-Foren und bestimmte Blogs wie zum Beispiel die „Self-Publisher-Bibel“ können eine gute Informationsquelle für die Auswahl der Plattform sein, denn hier erzählen Autorinnen und Autoren von ihren konkreten Erfahrungen bei der Veröffentlichung ihrer Bücher. Gerade bei der Veröffentlichung als E-Book ist eine gute Vernetzung in den Social Media wichtig, um das Interesse der Leserschaft zu wecken. Eine eigene Homepage, ein Facebook-Profil, Rezensionen in den Shops und Buchempfehlungen in Blogs und auf Seiten wie Lovelybooks oder Goodreads sind wichtige Faktoren für den Verkaufserfolg.

                                                                                   © Christiane Saathoff

 

„Zuschussverlage“ oder: der richtige Weg an die Öffentlichkeit

Man kann es nicht oft genug betonen: Wer ein gutes Buch geschrieben hat, sollte keine exorbitanten Summen für die Veröffentlichung in einem Verlag bezahlen müssen. Niemals. Leider ist das vielen ambitionierten Autor_innen nicht bewusst. Gerade in Zeiten, in denen das Selfpublishing eine immer größere Bedeutung für den Buchmarkt gewinnt, wächst die Bereitschaft, die Manuskripte aus den Schubladen hervorzuholen und sie der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt ist dieser Trend deutlich spürbar: Immer mehr Plattformen für die Erstellung und den Vertrieb von E-Books entstehen, immer mehr Anbieter aus dem Druckgewerbe wenden sich an Privatpersonen, immer mehr Verlage entwickeln „Ableger“ ihres herkömmlichen Geschäftsbereichs, um via Selfpublishing die unkomplizierte Veröffentlichung von Büchern zu ermöglichen. Der genaue Vergleich lohnt sich, denn nicht jeder, der sich „Verlag“ nennt, ist auch ein ehrwürdiger Unternehmer, dem es um die Literatur und die Autoren und nicht nur um deren Geld geht. Nicht oft genug kann vor den sogenannten „Zuschussverlagen“ gewarnt werden. Weiterführende Informationen finden sich beispielsweise beim „Aktionsbündnis für faire Verlage“.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

Unter dem Suchbegriff „Buch veröffentlichen“ erscheinen im Internet allein über 4 Millionen Ergebnisse der unterschiedlichsten Dienstleister fürs Selfpublishing – Druckereien, Verlage, reine E-Book-Shops und viele mehr. Bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter wird sich zwangsläufig die Frage stellen: Möchte ich mein Buch als Printversion, nur als E-Book oder vielleicht in beiden Formaten veröffentlichen. Dazu habe ich hier einige Hinweise gesammelt.

Auf dem Gebiet der Printbücher stehen Anbieter wie BOD, epubli, tredition u. a. an exponierter Stelle. Sie produzieren Bücher aufgrund der Kaufanfragen von Kunden termingenau – „on demand“. Dafür verlangen sie häufig eine Gebühr für die Vergabe der ISBN oder bestimmte Servicepakete (Lektorat, Covergestaltung, Layout, Werbung). Sie sind Distributoren und schlüsseln klar auf, was sie anbieten und leisten können. Aber auch kleinere Verlage, die ein speziell auf das Selfpublishing zugeschnittenes Profil haben, sollten in die engere Auswahl gezogen werden. Hier lohnt sich ein breiter Vergleich, denn die Anbieter stützen sich auf unterschiedliche Kalkulationsmodelle.

Sobald es um hohe Zuzahlungen oder Festabnahmen geht, sollten Sie die Vertragsbedingungen sehr genau prüfen, denn genau hier trennt sich die berühmte „Spreu vom Weizen“: Wenn von Ihnen verlangt wird, zunächst einmal tief in die Tasche zu greifen, um überhaupt in das „Verlagsprogramm“ aufgenommen zu werden, sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an einen „Druckkostenzuschussverlag“ (DKZV) geraten. Hier ist man in erster Linie an dem Geld der Autor_innen interessiert, nicht an dem literarischen Werk. Oft wird auch gleich in sehr hohen Auflagen gerechnet, was für unbekannte Autor_innen ungewöhnlich ist. Eine Auflage von beispielsweise 1 000 Büchern muss erst einmal verkauft werden, denn das geschieht nicht allein dadurch, dass der Titel eine ISBN erhält und in jeder Buchhandlung bestellbar ist. Die Leserschaft muss wissen, dass es das Buch gibt. Dafür reicht die Aufnahme in den Shop des Anbieters bei Weitem nicht aus, die Werbetrommel muss kräftig gerührt werden – und zwar von den Autor_innen. Ein solches Risiko würde kein professioneller Verlag eingehen, da er immer selbst in Vorkasse geht.

Die DKZV beenden ihre Tätigkeit, sobald der Vertrag unterschrieben ist. Lektorat, Covergestaltung, Werbung, all das passiert (wenn überhaupt) sehr lieblos und kaum auf Autor_in oder Buch zugeschnitten. Zudem ist es sehr schwierig, aus den Verträgen wieder herauszukommen.

Unerfahrene Autor_innen willkommen

Nicht jeder Verlag, der „interessiert an neuen Autoren ist“, will diesen auch wirklich helfen, mit einem gut gemachten Buch eine breite Leserschaft zu erreichen. Die Qualität der Bücher leidet enorm. In den Shops der „Zuschussverlage“ sind daher häufig schlecht lesbare Buchcover mit dilettantischen Zeichnungen zu finden, die mit dem Inhalt des Werkes rein gar nichts zu tun haben. Oft haben die Texte nur ein oberflächliches, wenn auch teures Lektorat bekommen und wimmeln nur so von Fehlern. Das ist ärgerlich für die Autor_innen, die so viel Herzblut in ihr Projekt gesteckt haben, aber auch für die Leser_innen, die ihre vielleicht bestehenden Vorurteile gegenüber den sogenannten „Indie-Büchern“ bestätigt sehen.

Es lohnt sich bei der Auswahl des Verlags also ein Blick in das Verlagsprogramm bzw. den Shop, denn dort ist schnell erkennbar, wie die Bücher veröffentlicht werden – eben lieblos und inhaltlich wahllos oder mit dem nötigen Fachwissen. Häufig zeigen die DKZV auch ein unklares Verlagsprofil, da stehen dann Anekdotenbüchlein neben Gedichtbänden, Fantasy, Kinderbüchern und Kochbüchern. Ein echtes Verlagsprogramm hat eine thematische Ausrichtung, ein guter Verlag spezialisiert sich auf eine Hauptthematik oder ein Genre und damit auf eine Käuferzielgruppe.

Fragen, fragen, fragen

Wenn Sie Ihr erstes Buch veröffentlichen und keine Erfahrungen auf dem Buchmarkt haben, löchern Sie unerschrocken jeden, der etwas dazu sagen könnte: die Mitglieder in Selfpublisher- oder Autorenforen (z. B. auch auf Facebook), die Lektorin Ihres Vertrauens, Schriftstellerkolleg_innen, Fachleute in Schriftstellerverbänden oder den Buchhändler nebenan – ja, noch gibt es ihn.

© Christiane Saathoff